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Vorhang auf: Familientag der Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin

Das letzte Vereinstreffen für 2017 führte unsere Landesgruppe am 25. Nov. 2017 ins Mecklenburgische Staatstheater nach Schwerin.

 

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 Landesgruppe MV vor dem Mecklenburgischen Staatstheater

Bei Veranstaltungen in unserer Landeshauptstadt stehen seit einiger Zeit für uns keine spezifischen Brauereithemen mehr auf der Agenda. Grund ist die Schließung der einzig verbliebenen aktiven Braustätte. Der letzte Vorhang fiel hier 2011. Seitdem gibt’s kein Bier mehr mit Schweriner Herkunft. Umso erfreulicher war die Neugründung der Handwerksbrauerei Hennings von Braumeister Tim Hennings am gegenüberliegenden Ufer des Schweriner Sees in der Gemeinde Leezen. Hier hieß es 2012: Vorhang auf.

„Vorhang auf“ hieß es auch für uns. Nachdem wir 2016 im Schweriner Schloss den Politikbetrieb des Landtags hinter den Kulissen betrachtet hatten, widmeten wir uns vor denselben dieses Mal der Kunst. Als Familientag geplant trafen wir uns am letzten Samstag im November vor dem Schweriner Hauptbahnhof. Von hier aus ist das Zentrum der Stadt fußläufig gut erreichbar – also nutzten wir die Gelegenheit zu einer Stadtführung. Die Sehenswürdigkeiten und geschichtsträchtigen Ereignisse Schwerins wurden durch den für uns denkbar besten Tour - Guide vermittelt: unser Landesgruppen - Schatzmeister Knut Lamprecht. Knut gab den Impuls zu dieser Veranstaltung und hatte sie organisiert. Als geschichts- und kulturkundiger Einwohner Schwerins konnte er für uns auf dem zweistündigen Rundgang jede Menge Historie und Histörchen beisteuern. Schwerin hat hier als ehemalige Residenzstadt der mecklenburgischen Herzöge und Großherzöge einiges zu bieten!

Nach dem kulinarischen Genuss im Restaurant Burwitz folgte der Kunstgenuss im Theater. Das nur einen Steinwurf vom Schweriner Schloss entfernte Gebäude wurde 1886 als Neubau des Großherzoglichen Hoftheaters eröffnet. Baumeister Georg Daniel hatte es im Stil der Neorenaissance und des Neobarocks errichtet. Im Inneren überrascht es den Besucher, der es zum ersten Mal betritt, mit originalgetreuer und detailversessener Ausstattung und der im Vergleich zu anderen Häusern doch eher beschaulichen Größe. Dadurch hat es allerdings auch seinen ganz eigenen Reiz. Mit etwas Fantasie fühlt man sich in die Vergangenheit zurückversetzt und stellt sich die großherzogliche Familie, vom harten Regierungsgeschäft Zerstreuung suchend, in einer Loge vor. In etwa ähnlich, wie der im Norden populäre niederdeutsche Dichter Rudolf Tarnow die Stimmung „tau ollen Friedrich Franzens Tieden“ in verschiedenen Werken beschreibt.

Doch zurück ins Heute: „Ravel“ steht auf dem Spielplan! Die stets ausverkaufte Ballettaufführung von Jutta Ebnother interpretiert die Musik und Biographie von Maurice Ravel in der Sprache des Tanzes. Verschiedene Werke Ravels wurden von der Mecklenburgischen Staatskapelle live gespielt. Dieser Klangkörper wurde bereits 1563 etabliert und gilt damit als drittältestes Orchester Deutschlands. Für elf Tänzer bedeuteten die künstlerische Umsetzung der Musik schweißtreibende neunzig Minuten. Hier konnte man nur ehrfurchtsvoll die Meisterschaft und den Enthusiasmus der Protagonisten bestaunen. Der dramaturgische Spannungsbogen fand seinen Höhepunkt dann im furiosen Finale mit dem von allen angespannt erwarteten „Bolero“. Ein Feuerwerk mit Augenzwinkern!

Der stürmische Applaus des vollbesetzten Saales führte uns dann auch vor Augen, dass das Mecklenburgische Staatstheater an der Auslastung gemessen zu den am besten besuchten Häusern in Deutschland gehört. Es gibt ein klares Bekenntnis der Landespolitik zum Theater in Schwerin. Das Gebäude liegt dem Schweriner Schloss direkt gegenüber und ist somit unübersehbar. Jeder Abgeordnete geht auf dem Weg zum Landtag am Theater vorbei. Es bleibt zu hoffen, dass die anderen Spielstätten in unserem Bundesland nicht aus den Augen verloren werden, auch wenn sie für die Entscheidungsträger nicht täglich sichtbar sind.

Nach Verlassen des Theaters konnten wir angesichts des Wochenendes noch etwas tun, was sonst während der Woche nur schwer möglich ist: uns Zeit lassen. Jeder, der auch den Sonntag noch in Schwerin verplant hatte, traf nochmals im „Burwitz“ (bei Rudolf Tarnow: „Theater-Meier“) in entspannter Atmosphäre auf ein Abendgetränk ein. Ein überaus angenehmer Ausklang des Familientages – leider ohne Schweriner Bier.

Frank Lucas