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Mitgliederversammlung der Landesgruppe Mecklemburg-Vorpmmern am 14. März 2014

 

Erste Vereinsveranstaltung 2014 am 14. März in Marlow.

Frohe Kunde aus MV: Es gibt im Lande eine neue Brauerei! Nicht groß, eher klein und fein, keine Gasthausbrauerei.

Wo? In Marlow, einer Kleinstadt nahe bei Ribnitz-Damgarten, unweit (25 km) der Ostseeküste. Sie liegt idyllisch im unteren Recknitztal - die Recknitz ist Grenzfluss zwischen Mecklenburg und Vorpommern - , wo dieses in die Endmoränenhügel

übergeht.

Die Talsohle liegt knapp über dem Meeresspiegel, die Stadt steigt auf Anhöhen bis für MV-Verhältnisse enorme 50 m. Das verlieh der Marlower Gegend die schmeichelhafte Benennung auch als „Klein Thüringen“.

Die Wirtschaft von Stadt und Umgebung ist landwirtschaftlich geprägt. Ein Anziehungspunkt für Besucher ist der Vogelpark Marlow, der seit 1994 besteht und auf 20 ha, landschaftlich-gärtnerisch wunderschön gestaltet, in vorbildlicher Haltung 150 Vogelarten zeigt und ständig weiterentwickelt wird.

Der Sender Marlow mit seinem 171 m hohen Mast - fast so hoch wie die höchste Bodenerhebung in MV, die 179 m hohen Helpter Berge bei Woldegk - hat die Bekanntheit der kleinen Stadt weithin im Lande verbreitet.

Seit 1891 gibt es in Marlow einen holzverarbeitenden Betrieb, eine Fassfabrik (nicht für Bierfässer) mit angeschlossenem Sägewerk. Er wurde 1953 enteignet und fortan Zulieferer für die Möbelindustrie; die Inhaberfamilie ging nach Schweden. Friedemann Kunz, der Ururenkel des Firmengründers, kam und kaufte das Familienunternehmen zurück. Aus Schweden brachte er die Idee und das Gewusst-wie für den Bau von Fertigteilhäusern mit und verwirklichte sie.

Anno 1993 lief die Produktion an, und heute liefert das Unternehmen ScanHaus jährlich 600 Häuser deutschlandweit. Die ScanHaus-Trümpfe sind: Solide, energieeffiziente Holzständerbauweise, eine breite Modellpalette, die (fast) jeden Kundenwunsch berücksichtigen kann, guter Service und die Devise: Erst bauen – dann zahlen.

Vor genau 4 Jahren hatten wir ScanHaus schon einmal besucht (s. Mitt.Bl. 2/2010). Da herrschte tiefer Winter, der die Produktion zum Pausieren zwang. Heute nun konnten wir uns ein Bild von der Fertigung machen. Silvia Kaiser und Sabine Hebst vom Vertriebsservice führten uns durch zwei Musterhäuser und die Produktion.

 

LG-MecklVorp-024-2014

 

Holz ist das Hauptmaterial. Es wird als Bauschnittholz geliefert und stammt größtenteils aus nördlichen Breiten. In einer großen Werkhalle wird es auf Maß gebracht und bearbeitet und zusammen mit Einbauten (z.B. Fenstern), Isoliermaterial und Abdeckplatten zu Fertigteilen (Wänden, Decken, Dachbindern) verarbeitet.

Vermittels gut organisierter und mechanisierter Produktion und engagierter qualifizierter Produktionsarbeiter verlassen pro Tag zwei Häuser das Werk – erstaunlich!

Den Traum, einmal sein eigenes Bier zu brauen, hatte sich Friedemann Kunz ja schon mit der Gasthausbrauerei „Zur Alten Fassfabrik“ in seinem „Recknitztal-Hotel“ **** erfüllt. Nun hat er noch eine „richtige“ errichtet, gleich neben dem Hotel.

Vom Entschluss bis zum Abschluss des Vorhabens verging nur 1 Jahr. Für den brautechnischen Teil war Braukonzept Germany zuständig, für die anderen Gewerke Betriebe aus der Region.

Eine Vierwalzenschrotmühle versorgt das Zweigerätesudwerk mit der 400-kg-Schüttung, die bis zu 20 hl Ausschlagwürze ergibt. Würzegewinnung und Gärung/Reifung ( 20 ZKG für je einen Sud) stehen im Mittelgeschoss auf einer Ebene. Infusionsmaischverfahren, Hopfung mittels Pellets und Eintankverfahren mit maximal 12,5 Grad Gärtemperatur sind die technologischen Eckpunkte.

Das Wasser wird enteisent (Belüftung, Kies- und Berkefeld-Filtration), die Gefäßbeheizung geschieht elektrisch, die Kühlung mittels Glykol. Neue Hefe wird als Trockenhefe bezogen, die in der kleinen, der Gasthausbrauerei, zum Ersteinsatz kommt und in der großen dann mehrmals geführt wird. Steuerung und Regelung sind auf das Notwendige konzentriert und erfüllen alle Anforderungen.

Im unteren Geschoss passiert das Bier einen Separator (20 hl/h) und gelangt über einen Puffertank zur Abfüllung in 30er und 50er ummantelte Stahlkegs, Stundenleistung 35 Stck. Flaschenfüllung ist nicht vorgesehen, denn die Brauerei versteht sich speziell als Partner der Gastronomie.

In der Gasthausbrauerei wird in sorgfältiger Handarbeit Bier in Flaschen gefüllt, etwas Besonders, wie man beim Kauf feststellen kann. Man hat sich schon gefragt, ob es sinnvoll sei, zwei kleine Brauereien zu betreiben. Ökonomisch sicherlich nicht, jedoch übt die schmucke Gasthausbrauerei im Hotelrestaurant eine nicht zu unterschätzende Anziehungskraft auf Gäste aus.

Daniel Engler, in Rostock gelernt wie auch sein zweiter Mann, hat uns die neue Brauerei gründlich gezeigt und erklärt. Dafür danken wir ihm sehr und wünschen stets gutes Gelingen seiner Sude für ein reichhaltiges Sortiment, das in Zukunft noch um einige Spezialitäten reicher werden soll.

Das gegenwärtige umfasst Marlower Pils, Marlower Spezial ( Art Märzen), Dunkel, Hefeweizen, Citrus (kein Biermix, sondern mit Spezialhefe) als Sommnerbier und im Winter den Marlower Bock. Die Biere, so unsere einhellige Meinung, können sich gut sehen und trinken lassen.

Wenn der rührige Unternehmer Friedemann Kunz sich seine Vorliebe fürs Brauen erhält, sollte es uns nicht wundern, dass vielleicht nach weiteren vier Jahren im Angebotskatalog von ScanHaus ein Fertigteilhaus mit eingebauter Hausbrauerei zu finden sein wird

Jürgen Zettler