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3. Vereinsveranstaltung 2014 am 28. November in Rostock

 

Zur Jahresabschlussveranstaltung stand ein maritimes Thema auf dem Programm.

Unser Land MV, besonders der Norden, ist durch die 1712 km lange Ostseeküste (davon gehören 80% zu Bodden und Haffs) maritim geprägt, so dass Themen zum Wasser - nicht nur Brauwasser - immer großes Interesse finden. Die See bestimmte vorrangig das Leben der Küstenbewohner und bildete für viele die Existenzgrundlage als Fischer, Seemann oder Schiffbauer. In der Ära der Segelschifffahrt erlangten maritime Bedeutung nicht nur die Hafen- und Hansestädte Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald, sondern auch viele kleine Küstenorte wie z.B. Rerik, Wustrow, Barth u.a.m., in denen zahlreiche schmucke Kapitänshäuser von dieser Zeit zeugen.

Mit der zunehmenden Bedeutung der Schifffahrt als Wirtschaftsfaktor und der technischen Entwicklung der Schiffe hin zum maschinengetriebenen Dampfschiff - 1851 lief der erste eiserne Schraubendampfer in der Rostocker Neptunwerft vom Stapel - musste auch die seemännische Ausbildung Schritt halten. So wurde 1846 die Großherzogliche Mecklenburgische Navigationsschule in Wustrow gegründet, sie ist (genauer: war) die älteste Seefahrtschule Deutschlands; ab 1916 ohne den großherzoglichen Vorspann: Seefahrtschule Wustrow.

1969 wurde sie mit der Ingenieurschule für Schiffbautechnik Warnemünde zur Ingenieurhochschule für Seefahrt Warnemünde-Wustrow vereinigt mit den Sektionen Schiffsführung und Schiffsbetriebstechnik für die Ausbildung von Nautischen Offizieren und Technischen Offizieren für die Handelsschifffahrt und die Hochseefischerei der DDR. Seit 1980 besitzt sie das Promotionsrecht zum Dr.-Ing.. Der Bedarf an seemännischem Führungspersonal war reichlich vorhanden, denn die Handelsflotte bestand in den 80er Jahren aus180, die Fischereiflotte aus 100 Schiffen, und die DDR zählte ab den 70er Jahren zu den bedeutendsten Seefahrernationen auf den Weltmeeren.

Im Jahre 1990 wurde die Ingenieurhochschule Warnemünde-Wustrow aufgelöst und als Fachbereich Seefahrt der Hochschule Wismar angegliedert. Die Hochschule Wismar wurde 1908 als Ingenieur-Akademie Wismar gegründet, ist ab 1969 Hochschule und rangiert seit 2009 als University of Applied Sciences – Technology, Business and Design. Sie ist die älteste Ausbildungsstätte für Ingenieure in MV. Der Standort Wustrow wurde 1992 geschlossen und aufgegeben.

Der nun alleinige Standort Warnemünde erhielt 1998 einen enormen Qualitätssprung durch das Maritime Simulationszentrum Warnemünde (MSCW) zur Aus- und Weiterbildung des seefahrenden Personals, insbesondere für Schiffsoffiziere, sowie zur maritimen Forschung und Entwicklung.

Diese technisch hochinteressante Einrichtung durften wir nun besichtigen, sach- und fachkundig geführt von Ralf Griffel, Sven Herberg und Mathias Linnenbecker. Die Hauptattraktion für uns war der Navigationssimulator Brücke 1 mit einer Rundumsicht von 360 Grad. Ein Videoprojektor versetzte uns auf die Schiffsbrücke, seitlich und hinter uns die See und voraus die Hafeneinfahrt nach Warnemünde, so echt, dass man meinte, die Schiffsbewegungen zu spüren. Quasi in Echtheit und -zeit liefen wir durch den Seekanal in den Hafen ein und – trauten unsere Augen nicht: Lag da nicht die TITANIC ? Wahrhaftig – was Simulation alles kann! Von einem Instruktor werden dem Schiffsführungssimulator die äußeren und inneren Bedingungen vorgegeben, wie z.B. Schiffstyp, Seegebiet, Strömung, Wellengang, Wind und weiterer Schiffsverkehr, technische Daten und Störungsfälle. Dem Trainee auf der Brücke obliegt es nun, sein Schiff durch alle Fährnisse zu steuern. Der Schiffsmaschinensimulator stellt den gesamten Maschinenbetrieb dar einschließlich aller Hilfs- und Versorgungsanlagen sowie Energieerzeugung und -verbrauch.

Er besteht aus dem Maschinen- und dem Maschinenkontrollraum mit den entsprechenden Konsolen und Schaltanlagen und das für verschiedene Schiffstypen. 300 Fehler und mehr als 1000 Parameter können vom Instruktor simuliert werden; wir erlebten einen Blackout durch Kurzschluss. Ein dritter Simulator beinhaltet die Verbindung zum Land über Verkehrszentralen.

650 Studierende finden hier ausgezeichnete Ausbildungsmöglichkeiten vor und können an den Simulatoren auch im Selbststudium sowie im instruktorlosen Training arbeiten.

Voller toller Eindrücke ging’s anschließend in die Hanseatische Brauerei Rostock.

Unser 1.Vorsitzender Uwe Kästner dankte Heiko Drechsler und Heinz Tegethoff, Malteurop Rostock, für die Ausrichtung des heutigen Abends und stellte das neue Rostocker Bierprodukt vor: Rostocker Zwickel, ein Vollbier Pilsner Art, mild gehopft und naturtrüb, das auf breite Zustimmung stieß. Uwe Kästner hielt Rückschau auf das zu Ende gehende alte Jahr mit wieder einem niveauvollen Arbeits- und Veranstaltungsprogramm. Zum gelungenen Jahresabschluss unterhielten uns Ehrenmitglied Brigitte Paetow mit einer humorvollen Abhandlung über den „Pils-Berater“ und der Berichterstatter mit seinem auf dem 21. Dresdner Brauertag im April gehaltenen Vortrag in Versen über „Bier braucht Kälte“.

Das Jahr hat uns aber auch sehr Betrübliches gebracht. Im April entriss uns der Tod unseren verehrten Vorsitzenden Hartmut Wetzel (Nachruf im Heft 2/2014) und im Oktober ist unser Mitglied Heinz Maßalsky im Alter von 74 Jahren gestorben. Über 40 Jahre hat er als Brauer der Rostocker Brauerei die Treue gehalten, die Meisterprüfung absolviert und auf seinem Haupttätigkeitsfeld im Sudhaus meisterlich gearbeitet. Fachlich gut bewandert, immer tatkräftig, aktiv und auch impulsiv – so kannten und schätzten wir ihn. Unseren Heinz Maßalsky werden wir nicht vergessen.

 

Bilder von der Veranstaltung sind in der Foto-Galerie eingestellt.

 

Jürgen Zettler